Dienstag, 25. September 2012

Fundierte Recherche - Ein offener Brief zum 17. MainzerMedienDisput

Der 17. MainzerMedienDisput findet Mitte Oktober statt. Die Besetzung der diversen Diskussionspanels ist eindeutig. Ein offener Brief unserer ersten Vorsitzenden Andrea Ernst an Thomas Leif, der die Projektgruppe MainzerMedienDisput anführt. Er ist Mit-Gründer und langjähriger Vorsitzender des Netzwerks Recherche.

Sehr geehrter Herr Prof. Leif,

herzliche Gratulation zur programmlichen Gestaltung des diesjährigen MainzerMedienDisputes und zur Auswahl Ihrer Gäste auf den Podien.

Wir freuen uns, dass es Ihnen durch fundierte Recherche gelungen ist, die Panelrunden aus konsequent männlicher Sicht zu besetzen. Unter den sechs Moderatoren versammeln Sie fünf, unter den 27 Panelteilnehmern 25 Männer. Prima! Dieser entschlossene Tunnelblick, diese beharrliche Leugnung der professionellen Arbeit von Kolleginnen verdient Anerkennung.


Hier zeigt sich Ihre journalistische Qualität: Wo würden wir landen, wenn auf einem der wichtigsten Diskussionsforen der Republik erfolgreiche Chefredakteurinnen, Verlegerinnen, Medienmacherinnen oder Autorinnen sichtbar wären?

Besondere Würdigung verdient auch der Eröffnungsabend, der 15. Oktober: Das Thema "Endstation Boulevard - Untergangssehnsucht und Politik-Trauma" verhandeln fünf Männer. Es bleibt so sehr zu hoffen, dass die angefragte Charlotte Roche tatsächlich absagt, damit der einheitliche Testosteroneindruck seine volle Kraft entfalten kann.

Besonderes, nein außerordentliches Lob verdient in diesem Zusammenhang Ihre Berliner Veranstaltung am 13. November. Nachdem aus ungeklärten Gründen im Bundestag der Anteil der weiblichen Abgeordneten auf ein Drittel gestiegen ist - also Politikerinnen auf mysteriöse Weise immer deutlicher sichtbar werden - möchten wir Ihr entschlossenes Leugnen dieser Tatsache besonders anerkennend hervorheben: Das Streit-Thema "Unter 3 - Politiker und Journalisten in einem Boot?" verhandeln sechs Herren exklusiv unter sich. Bravo!!! Endlich keine Frauenquote! Nur das eiserne Negieren der Qualifikation des weiblichen Teils in unserem Berufstand sichert Ihre eintönige Sicht auf die Dinge. Für diese Blindheit, die so zielsicher an den Kriterien von Qualitätsjournalismus vorbei geht, danken wir Ihnen ganz herzlich!

Mit freundlichen Grüßen
Andrea Ernst
1. Vorsitzende

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Sehr treffender Kommentar. Und, nehmen wir das weiter hin? Reicht es, immer nur kluge Kommentare zu schreiben, nach Möglichkeit auch noch humorvoll, damit bloss nicht der Verdacht entsteht, wir seien zickig? Wenn sich ein Altherrenclub trifft um seine Themen zu debattieren sollte man es auch so labeln und nicht als Mediendisput bezeichnen. Die Medien sind auch WIR!

Laura Hennemann hat gesagt…

Und hier geht die Diskussion sehr konstruktiv weiter: Unter "Ich habe einfach keine Referentin gefunden!" eine schöne Zusammenfassung von Anne Roth. Danke, das klingt sehr vielversprechend!