Freitag, 26. Juli 2013

Warum Journalistinnen wichtig sind


Wenn ein EU-Institut einen Report veröffentlicht, dann ist das für die meisten Menschen in Europa so wichtig, wie wenn in China ein Sack Reis umfällt. Es braucht Journalisten, damit das Thema die Menschen überhaupt erreicht.

Im Fall des am 8. Juli veröffentlichten Reports "Advancing gender equality in decision-making in media organisations" braucht es offensichtlich Journalistinnen, um die Aussagen auf den Punkt zu bringen: "Medien: Je wichtiger der Job, desto weniger Frauen haben ihn" titelte dieStandard in Österreich. "Mehr Meinungen" forderte Redakteurin Alina Fichter in der Zeit, Untertitel: "Eine neue Studie belegt: In kaum einer Branche kommen Frauen so schwer nach oben wie in Medienhäusern. Die Quote ist nötig."

Ohne Fichter, die zu den Erstunterzeichnerinnen der Forderung von ProQuote gehört, wäre der Report des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen EIGE in Deutschland vielleicht völlig untergegangen. Dabei steckt viel Arbeit drin, auch von JB-Frauen wie Lissi Klaus, Birgitta M. Schulte, Marlies Hesse und Inge von Bönninghausen. Sie haben umfangreiche Fragebögen beantwortet bzw. an Workshops mitgewirkt. Herausgekommen ist ein Report von 148 Seiten mit vielen Balkengrafiken. So etwas durchzuackern, findet nicht jeder Medienjournalist sexy.

Aber es kommt noch etwas dazu: Wie die Autorinnen des Reports (auf Seite 19/20) deutlich vermerken, hat sich die Medien-Industrie bisher als "extrem resistent" gegenüber "Gender-Interventionen" gezeigt, Geschlechtergerechtigkeit sei deswegen abhängig vom Goodwill der Branche und einzelner ihrer Player. Und mit dem Goodwill ist es nicht so weit her.

Im Gegenteil: Immer wieder kommt das Argument auf, auch innerhalb der EU-Kommission, die Pressefreiheit sei doch höher zu achten als die Gleichberechtigung innerhalb der Medienberufe. Journalistinnen mit Karriere-Ambitionen scheinen demnach die Pressefreiheit ihrer Nationen zu gefährden. So als würde das Vordringen der Frauen in die männerdominierte Spitze der Branche das Meinungs- und Informationsspektrum verengen eine merkwürdige Unterstellung.

Nein, umgekehrt wird ein Schuh daraus, wie Alina Fichter korrekt begründet: Die Quote und andere Fördermaßnahmen für Medienfrauen erweitern das Spektrum. "Wenn mehr Frauen daran beteiligt sind, Themen auszuwählen, Schwerpunkte zu setzen und in Leitartikeln ihre Meinungen zu äußern, fördert das im besten Fall das gleichberechtigte Zusammenleben in der Gesellschaft." Und weiter: "Nur durch ein Potpourri an Betrachtungsweisen kann die bestmögliche Zeitung entstehen, die auch neue Leser lockt." Es braucht Journalistinnen, die Leser daran zu erinnern.

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