Sonntag, 11. August 2013

Michalis Pantelouris - Öl statt Journalismus

Reife Oliven. Foto: Rainer Deml
Unter dem Titel "Lieber Journalismus, wir müssen reden" verabschiedet sich der Kollege Michalis Pantelouris vom Journalismus. Er will in Zukunft lieber mit Freunden hochwertiges Olivenöl vermarkten. In den sozialen Medien hat er sich einiges anhören müssen für seinen offenherzigen Post. "Reisende soll man nicht aufhalten",  "alles nur PR für ein Öl", riefen sie ihm nach. Andere gratulierten zu der mutigen Entscheidung.

Dabei haben wohl einige den ersten Absatz von Pantelouris` Blog-Eintrag nicht so genau gelesen. "Die Branche, jeder weiß das, ist durch und durch korrupt", so geht er los. Die Rede sei vom Olivenöl, so klärt er später auf, aber natürlich will er - listig wie Odysseus - dass man beim Lesen zunächst einmal an den Journalismus denkt.

"Die Produkte sind oftmals unter nachlässigsten Bedingungen produziert, von Menschen, die gerade noch so das Nötigste dafür bekommen, an Mitteln und an Bezahlung. Quantität geht weit über Qualität, und der allergrößte Teil der Kundschaft ist ohnehin an nichts interessiert als daran, möglichst nichts für die Produkte zu bezahlen."


Bei jedem Halbsatz möchte man nicken. Und seufzen. Und wieder nicken. Nehmen wir nur die schlechte Bezahlung. Dass sie nicht leistungsgerecht ist, sieht man schon daran, dass für dieselbe Leistung desselben Autors für denselben Auftraggeber, also etwa einen Artikel in einem bestimmten Wissensmagazin, vor Jahren das Anderthalbfache bezahlt wurde wie heute. Natürlich liegt es nicht an einem plötzlichen Leistungsknick eines einzelnen Schreibers. Alle seine freiberuflichen Kolleginnen und Kollegen sind genauso betroffen. Manche lassen sich das nicht bieten und hören auf, für das Blatt zu arbeiten. Aber für eine, die geht, stehen 20 andere parat.

Heute vielleicht nicht mehr 20, sondern nur noch fünf. Der Exodus aus dem Journalismus hat begonnen. Auch bei den ganz Jungen, Hoffnungsfrohen, Hochbegabten macht sich Skepsis breit. Die promovierte Physikerin vergleicht ihre Honorare als freie Wissenschaftsjournalistin mit den Einstiegsgehältern ihrer ehemaligen Kommilitonen in der Industrie - und ist frustriert. Zehn Mal so viel wie sie hat einer von denen in den ersten Monaten verdient, das ist bitter. Die Mikrobiologin schwankt noch zwischen Wissenschaft und Journalismus - doch die Wissenschaft scheint ihr mehr Perspektive zu bieten.

Ja, die Welt braucht guten Journalismus, auch und gerade im Wissensressort. Aber irgendjemand muss dafür bezahlen.

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