Dienstag, 3. September 2013

Pinkstinks: Protest gegen platte Sprüche

Terre des Femmes auf der Pinkstinks-Demo. Fotos: Elke Brüser

Magersüchtige Models, rosa Überraschungseier, nackte Frauen auf Kühlerhauben. Viele Frauen - und auch manche Männer - macht solche Werbung zornig. Daher gab es am Wochenende den Pinkstinks-Protest. Unsere Berliner Kollegin Elke Brüser war mit dabei. Und weil der Watch-Salon die Demo zwar angekündigt hat, aber nicht selbst teilnehmen konnte, erzählt sie uns, wie es war:


Sexismus in der Werbung ist nicht neu. Was ist neu an diesem Protest?

Der Protest kommt recht locker daher, mit viel Musik und Farbigkeit. Die Rapperin Sookee und Bernadette la Hengst waren zum Beispiel da. Beide enorm lebendig, was mich verführt hat, viele Fotos zu machen. Demnächst auch auf der JB-Webseite der Berliner Regionalgruppe.

Und der Ernst fehlte natürlich nicht. Pinkstinks.de will den Werberat stärker unter Druck setzen, der immer nur abwimmelt. Derzeit gibt es die Petition “Gegen sexuelle Verfügbarkeit in der Außenwerbung: Kinderschutz jetzt”. Die prangert an, dass sich Mädchen in Deutschland zunehmend unwohler in ihrem Körpern fühlen, auch weil die Schönheitsideale durch digitale Bildbearbeitung gar nicht mehr zu erreichen sind. Und nach wie vor wird Frauen eine Rolle als männliches Accessoire auf den Leib geschrieben. So etwa sagte das Stevie Schmiedel, Vorsitzende von Pinkstinks und Dozentin für Genderforschung.

Bernadette La Hengst

Wie war die Stimmung? Eher kämpferisch oder fröhlich?

Kämpferisch und fröhlich. Ich blieb länger als ich eigentlich wollte und habe nebenbei gelernt: In Sao Paulo ist der öffentliche Raum werbefrei! Übrigens waren auch viele Männer bei der Veranstaltung. Aber es hätten insgesamt ein paar tausend Leute mehr sein können.
War das ein Fest für AktivistInnen -  um sich Mut zu machen und zu beklatschen? Oder konnte Pinkstinks ein größeres Publikum erreichen?
Die üblichen Berlintouristen am Brandenburger Tor haben nur neugierig geschaut. Aber viel Presse war gekommen. Und der Abendschau vom rbb war die Veranstaltung eine kurze Nachricht wert. Insgesamt war da Aufbruchsstimmung. Unterhaltsame Wortbeiträge unter anderem von #aufschrei, Missy Magazine, Terre des Femmes und natürlich Pinkstinks. Keine langen Reden und eben zwischendurch Musik. Noch dazu Sonne gratis.

Was hat dich auf die Demo gebracht? Eigenes oder berufliches Interesse?

Ärger, weil Frauen in der Werbung immer noch als Dessous-Trägerinnen, als besorgte „Muttis“ oder als auf Schlankheitsmittel angewiesene Spezies missbraucht werden. Freude, weil sich hier was tut. Außerdem hat mich die Sprache der Werbung, auch die Bildsprache, schon im Studium beschäftigt. Heute interessiert mich als Medizinjournalistin der Nahrungsergänzungsmittel-Irrsinn und der Diätwahn. Frauen werden ständig als „Werbeträger“ und Zielgruppe benutzt, ausgenutzt. In unserer Zeitschrift "Gute Pillen - schlechte Pillen" analysieren wir regelmäßig Arzneimittel-Werbung.

Was können JournalistInnen für ihre Arbeit aus der Kampagne lernen?

Was die täglich Arbeit angeht, da wünsche ich mir, dass keine Journalistin irgendeine Diät hochlobt. Allein schon das Wort „Bikini-Figur“ ist ein Irrsinn. Und wir sollten kritisch sein, wenn etwa in unserem Blatt sexistische Werbung gedruckt wird oder im Hörfunk entsprechende Sprüche kommen. Das muss frau nicht hinnehmen.

Und was nehmen wir als Aktivistinnen für Gleichberechtigung und die Quote mit? Gibt es Ideen, die wir auch mal umsetzen sollten?

Ich denke, die Vernetzung mit anderen AktivistInnen hat hier gut geklappt. Das sollte auch der Journalistinnenbund noch stärker nutzen. Mich hat die Protestaktion schon im Vorfeld dazu gebracht, die Petition zu unterschreiben und mal wieder beim Werberat ins Netz reinzuschauen. Und da sehe ich: Im „Entscheidungsgremium“ gibt es unter den 13 Mitgliedern nur zwei Frauen – und die rangieren in der allerletzten Rubrik unter „Zusätzlich berufen“. Na so was.

***
Elke Brüser ist Sprecherin der Berliner Regionalgruppe vom Journalistinnenbund.


Demo am Brandenbuger Tor

Kommentare:

B. Debus hat gesagt…

Im Deutschen Werberat sitzen die folgenden 3 Vertreter der Medien:

Jürgen Doetz
Beauftragter des Vorstands Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V. (VPRT)
Berlin

Thomas Ruhfus
Geschäftsführender Gesellschafter Ruhfus Außenwerbung GmbH + Co. KG und Hellweg-Werbegesellschaft mbH + Co. KG
Dortmund

Rolf Wickmann
Rolf Wickmann Mediencontor/Rolf Wickmann Consulting
Hamburg

Wenn sich der Journalistinnenbund mit Pro Quote zusammentäte, könnte doch auch hier vielleicht was zu machen sein...

Außerdem berichtet der Werberat selbst über die Veranstaltung am 2.9.:
BERLIN, 2. September 2013 (dw) –
Die Geschäftsführerin des Deutschen Werberats Julia Busse hat am 2. September 2013 im Rahmen einer Podiumsdiskussion der Kampagnenorganisation Pinkstinks Deutschland in Berlin eine Online-Petition des Vereins „Gegen sexuelle Verfügbarkeit in der Außenwerbung: Kinderschutz jetzt!“ entgegengenommen. Die Rechtsanwältin betonte in diesem Zusammenhang: „Der intensive Dialog darüber, was für die Gesellschaft sexistische Werbung ist und was nicht, ist dem Werberat überaus wichtig. Auch beim Austausch der Meinungen dazu gilt: Vielfalt ist schön. Doch einseitige Interpretationen und das Ausblenden von vielleicht unerwünschten Fakten helfen nicht weiter.“ ...

Anonym hat gesagt…

Ulrike Helwerth vom Journalistinnenbund, die die Pressearbeit des Deutschen Frauenrats verantwortet, hat ausführlich über die Protestaktion von PINKSTINKS informiert.Ja, es ging nicht nur um sexistische Werbung! http://url9.de/KDw

Elke Brüser hat gesagt…

Und so geht es weiter mit Pinkstinks und dem Deutschen Werberat. Der Deutsche Frauenrat berichtet: http://url9.de/L4q