Donnerstag, 14. November 2013

Die Frau der Woche: Elizabeth Warren

Elizabeth Warren for President. Foto: Fanpop.com
Was muss man tun, damit ein Video mehr als eine Million mal im Netz angeklickt wird? Der US-Senatorin Elizabeth Warren gelang dies mit ein paar Sätzen, mit denen sie den Mythos des erfolgreichen self-made-man in kleine Stücke haute und Unternehmer an ihre sozialen Pflichten erinnerte:
"Es gibt niemanden in diesem Land, der einfach aus sich heraus reich wird. Sie bauen da draußen eine Fabrik? Gut für Sie. Aber ich möchte klar stellen, Sie transportieren Ihre Güter über Straßen, für die wir bezahlt haben. Sie stellen Arbeiter ein, deren Ausbildung wir finanziert haben. Und Sie sind sicher in ihrer Fabrik, weil wir die Polizei und die Feuerwehr finanzieren."
Die Finanzexpertin Elizabeth Warren ist bei den amerikanischen Linken und den so genannten einfachen Leuten ein echter Star. Sie hat 700.000 Followers auf Facebook, millionenfache Klicks auf Youtube und gilt als eine der besten Spendeneintreiberinnen der Demokraten. Diese Woche spekuliert die Zeitschrift New Republic unter dem Aufmachertitel "Hillary´s Nightmare" schon über ihre Chancen, Präsidentschaftskandidatin der Demokraten und damit mögliche Gegnerin von Hillary Clinton 2016 zu werden. Wer ist diese zahlenfeste, eloquente Politikerin, die viele Menschen in Europa noch gar nicht kennen, obwohl sie schon zwei mal auf der Forbes-Liste der "hundert mächtigsten Menschen der Welt" stand?

Ein paar Stichpunkte: Elizabeth Warren wurde 1948 in Oklahoma geboren, ihre Eltern hielten die Familie mit ihren drei Jungen und der Nachzüglerin "Betsy" mit einfachen Jobs über Wasser. Geld war stets sehr knapp. Die kluge Tochter bekam schon mit 16 ein Vollstipendium für die George Washington Universität, heiratete mit 19, bekam zwei Kinder, ging durch rastlose Jahre mit etlichen Umzügen und weiteren Studien. Später eine zweite Ehe, lange Jahre als Professorin für Wirtschaftsrecht an verschiedenen Universitäten, zuletzt als Insolvenz-Expertin in Harvard.

Die hartnäckigste Person auf Erden

Die Finanzkrise brachte sie 2008 zu den Demokraten. Warren leitete Untersuchungsausschüsse und baute die dringend benötigte unabhängige "Verbraucherschutzbehörde für Finanzprodukte" auf, um endlich "die Wall Street zu zügeln". Massive Lobbyarbeit der Bankenwelt verhinderten sie als Chefin in ihrem Traumjob als Vertreterin der "hart arbeitenden Bevölkerung". Die energische, unauffällig-elegante Professorin, von der ihr Bruder David sagt, sie sei "die hartnäckigste Person auf Erden", aber war nicht aufzuhalten.

So legte sie vor zwei Jahren einen fulminanten Wahlkampf als Kandidatin der Demokraten im früheren Wahlkreis von Ted Kennedy hin und eroberte den zwischendurch von den Republikanern besetzten  Senatssitz wieder zurück. Heute ist sie eine der gefürchtetsten Fragestellerinnen im Haus, die sogar ihren Parteikollegen und Finanzminister Tim Geithner "grillte", den mächtigen Ben Bernanke zum Stottern brachte und sich voller Inbrunst mit den Vertretern der Wall Street anlegt. Dass sie schon als Teenager zu Recht Rhetorik-Wettkämpfe gewann, zeigen ihre ganz ruhig daher kommenden verbalen Attacken. Sie fasst komplizierte wirtschaftliche Abläufe wie kleine verständliche Geschichten zusammen, ausweichenden Rednern stellt sie ebenso freundlich wie unnachgiebig immer wieder die entscheidende Frage. Am besten schaut man sich diese Begabung auf Youtube an, etwa hier bei ihrer ersten Anhörung im Senat oder hier mit einer ganzen Auswahl ihrer besten Beiträge.

 

Die Frau, die zu viel weiß

Kostet zu viel Zeit? Na dann auf die Schnelle noch ein paar Attribute, mit denen Elizabeth Warren in den US-Medien beschrieben wird:
eine rhetorische Meisterin - die Frau, die zu viel weiß - unser Engel aus Oklahoma - der Wachhund der Finanzwelt - der Sheriff der Wall Street - und bei den Konservativen heißt es über sie: sie fegt wie eine apokalyptische Reiterin durch die Finanzwelt

Und ein paar ihrer markanten Zitate:
"Die Menschen haben das Gefühl, das System manipuliert sie. Jetzt kommt der schmerzvolle Part: Sie haben recht." 
„Die Chefs der Wall Street, dieselben, die unsere Wirtschaft zertrümmert und Millionen von Jobs vernichtet haben, sie stolzieren immer noch um den Kongress herum. Ohne Scham verlangen sie weitere Gefälligkeiten und tun so, als müssten wir ihnen auch noch dankbar sein“. 
"Wenn du mit einer Unze Kokain erwischt wirst, stehen die Chancen gut, dass du ins Gefängnis wanderst. Aber wenn du eine Milliarde an Drogengeldern wäscht, und verstößt gegen unsere internationalen Sanktionen, zahlt dein Unternehmen nur eine Geldstrafe."
"Die größten Banken des Landes, die unsere Wirtschaft zugrunde gerichtet haben, zahlen jetzt so gut wie keine Zinsen auf ihre Schulden, während Studenten neunmal so viel bezahlen."

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