Mittwoch, 16. Juli 2014

Angela Merkel: Zum 60. ein Historiker


Merkel-Markenzeichen Raute. Foto: Armin Linnartz, CC-BY-SA-3.0

Angela Merkel wird 60. Zum 50. bekam sie ja einen Hirnforscher geschenkt: Wolf Singer. Dem aktuellen Spiegel ist zu entnehmen (Seite 38), dass er mit den Händen eine genau so schöne Raute machen kann wie Merkel selbst.

Singer macht überhaupt viel mit den Händen. Seine Hände sind faszinierend. Einmal saß ich ihm bei einem Abendessen gegenüber und hätte vor lauter Starren auf sein Gefuchtel fast das Essen vergessen. Dabei sagt er immer: "Ich bin mein Gehirn". Nein, Herr Professor Singer. Sie sind mindestens ebenso sehr Ihre Hände.

Wolf Singer ist bekannt für die These, dass der freie Wille eine Illusion sei. Weil Gehirnprozesse festen Regeln folgen - "das Gehirn würfelt nicht". Weniger bekannt ist seine Aussage, dass es im Gehirn keinen Chef gibt, sondern eher eine Anarchie der Gedanken. "Das Gehirn - ein Orchester ohne Dirigent", überschrieb er 2005 einen coolen Artikel in Max-Planck-Forschung. Das erinnert ein wenig an das Kabinett Merkel - vor allem, wenn sie mit der FDP koaliert.

Zum 60. bekommt Angela Merkel keinen Hirnforscher, sondern einen Historiker geschenkt. Wie man ebenfalls dem Spiegel entnehmen kann, ist es Jürgen Osterhammel aus Konstanz. Hoffentlich erzählt er ihr nicht das Gegenteil von Singer. Etwa dass man das eigene Bild in der Geschichte selbst beeinflussen könne. In dieser Disziplin haben sich schon Helmut Kohl und Alice Schwarzer versucht. Beide mit mäßigem Erfolg.

Vielleicht wäre Jogi Löw ein besserer Festredner gewesen. Vom Bundestrainer kann auch eine Kanzlerin viel lernen. Zum Beispiel, dass es gut ist, immer einen Mario Götze in der Hinterhand zu haben. Es kann natürlich auch eine Maria sein.

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