Dienstag, 24. März 2015

Zur Erinnerung an die deutsche Fotografin Anja Niedringhaus - Preisauszeichnung für Heidi Levine

Heidi Levine umarmt ihren palästinensischen Fahrer Ashraf Al Masri nach der Zerstörung seines Hauses in Gaza. Foto: Lefteris Pitarakis/AP

Vor einem knappen Jahr verlor die Fotografin und Pulitzer-Preisträgerin Anja Niedringhaus bei einer Schießerei in Afghanistan ihr Leben. Um ihre herausragende Arbeit zu würdigen, schuf "The International Women's Media Foundation" (IWMF) in Washington den Anja-Niedringhaus-Preis für Fotojournalistinnen. Erste Preisträgerin ist die in Jerusalem lebende Amerikanerin Heidi Levine, die wie Niedringhaus immer wieder ihr Leben riskiert, um Konflikte und Kriege zu dokumentieren.

Heidi Levine arbeitet seit mehr als dreißig Jahren als Fotojournalistin, zunächst für die Nachrichtenagentur AP, dann für die französische Sipa Press. Ihre Fotos erschienen bisher in Time, Newsweek, Paris Match, Stern und etlichen anderen Medien. Die damit verbundenen Auszeichnungen und Preise füllen eine halbe Seite. Vor allem der israelisch-palästinensische Dauerkonflikt beschäftigt Levine. In zahlreichen Bilderserien dokumentiert sie die immer neuen Zerstörungen im Gaza-Streifen. Aber auch in Syrien, Libyen, Ägypten und weiteren Ländern des Nahen Ostens hat sie Revolutionen wie Rückwärtsbewegungen fotografisch festgehalten.

Gleichzeitig zieht Heidi Levine ihre drei Kinder in Jerusalem groß und erlebt so die Konflikte "auf persönlicher wie professioneller Ebene", wie die Preisjury herausstellt. Sie attestiert der Niedringhaus-Preisträgerin eine "lyrische Eloquenz und besondere Harmonie ihrer Bilder", selbst in den härtesten Kriegsaufnahmen. Über ihren Fotos liege "fast eine surreale Eleganz", die doch so viel Elend und Verwüstung zeigten.

Eine palästinensische Mutter steht auf den Trümmern ihres Hauses in Shujayea, Gaza, August 2014, Foto: Heidi Levine

Die Jury der Frauen-Medien-Stiftung IWMF lobt außerdem die Arbeit der Fotografin Anastasia Vlasova für ihre Berichterstattung über den Konflikt in der Ost-Ukraine (Vorsicht, Aufnahmen grausamer Gewalt) sowie die AP-Fotografin Rebecca Blackwell für ihre Berichte aus der Zentralafrikanischen Republik (ebenfalls Vorsicht).

Kriegsfotografin zu sein ist mehr als ein Beruf, wenn man ihn so intensiv macht wie ich. Aber ich bin glücklich damit.
Anja Niedringhaus in einem ihrer letzten Interviews

Der Anja-Niedringhaus-Fotopreis ist mit einem jährlichen Preisgeld von 20.000 Dollar verbunden, das durch eine Millionen-Gabe der "Howard G. Buffett Stiftung" ermöglicht wird.
Der Preis wird von nun an jährlich an eine Fotojournalistin vergeben, deren Arbeit den Mut und die Hingabe von Anja Niedringhaus widerspiegelt. Die erste Preisverleihung findet am 25. Juni 2015 in Berlin statt.

Kommentare

  1. In der westfälischen Stadt Beverungen, nahe ihrem Geburtsort Höxter, gibt es eine Ausstellung mit zum Teil unveröffentlichten Fotos von Anja Niedringhaus - bis zum 25. Mai 2015.
    Foto-AusstellungNiedringhaus

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