Freitag, 3. Juli 2015

Taylor Swift – Die Große Schwester setzt auf Feminismus

Tylor Swift beim Konzert in Manchester. Foto: Stadlmayer

Taylor Swift – eines von vielen blonden Pop-Sternchen, die bald wieder weg sein werden. So habe ich bis vor Kurzem gedacht. Bis ich erfuhr, dass sie sich erfolgreich mit der Musikindustrie angelegt hat und bis mich meine Tochter ins Konzert nach Manchester mitgeschleppt hat. Seitdem bin ich zwar keine "Swifty" (es wäre ja auch seltsam, wenn wir den selben Musikgeschmack hätten ...), aber schwer beeindruckt von dieser selbstbewussten Musikerin. In Interviews und auf ihren Konzerten plädiert sie für Frauen-Solidarität und Feminismus. Kein schlechtes Vorbild für Mädchen, die nach Orientierung suchen.

Auf dem Konzert in Manchester waren wir nicht das einzige Mutter-Tochter-Paar. Sogar Omas mit ihren zwölfjährigen Enkelinnen habe ich gesehen. Die meisten (auch die Omas) hatten sich ordentlich aufgebrezelt. Männer waren kaum im Publikum, außer einigen Jungs, die offensichtlich von ihren Freundinnen mitgeschleppt worden waren.

Die Swifties haben sich aufgebrezelt. Foto: Stadlmayer

Taylor Swift ist unglaublich erfolgreich und beliebt bei Teenagern, weil sie ihnen das Gefühl gibt, eine von ihnen zu sein. 65.000 Besucher waren es vergangene Woche im Hyde-Park in London und zweimal 15.000 in Köln. Sie hält über die sozialen Medien engen Kontakt zu ihren Fans, hat 60 Millionen Follower auf Twitter, ihre Einträge auf Instagram brechen regelmäßig alle Rekorde. Nach jedem Konzert dürfen mehrere Dutzend Fans hinter die Bühne, um sich mit ihrem Idol zu unterhalten und Selfies in alle Welt zu schicken.

Lass dich nicht unterkriegen - Shake it off


In ihren kurzen Ansprachen auf ihren Konzerten gibt Taylor Swift die große Schwester und verabreicht Lebensweisheiten: Die Mädels sollten sich nicht von Kritik und Gemecker unterkriegen lassen. Sie sei früher auch gemobbt worden und habe lernen müssen damit umzugehen (und dann ihren Erfolgssong "Shake it off" geschrieben). Lange redet sie darüber, wie wichtig Frauen-Freundschaften sind und wie schwierig es mit den Jungs sei. Die Fans hängen an ihren Lippen und kreischen begeistert, wenn sie wieder anfängt zu singen.

Die Bühnen-Show ist super-professionell. Für meinen Geschmack viel zu perfekt, aber was soll´s. Zur Unterstützung ihrer nicht besonders kraftvollen Stimme hat die ehemalige Country-Sängerin vier starke Background-Sängerinnen engagiert. Ihre Tänzer sehen aus wie testosteron-gesteuerte Hip-Hopper, aber sie wirken wie Puppen, die Taylors Befehle ausführen. In den Pausen, während sich die Chefin in ein neues Outfit wirft (mal sexy, mal brav, aber nie nabelfrei) kommen auf der riesigen Leinwand ihre Freundinnnen zu Wort. Schauspielerin und Regisseurin Lena Dunham zum Beispiel. Sie erzählt wie gut sie mit Taylor abhängen kann.

Feministin - wie Lena Dunham und Emma Watson


Im Interview mit der Zeitschrift Cosmopolitan hat Taylor Swift vor einigen Monaten verraten, dass Dunham sie vom Feminismus überzeugt habe: "Wir reden viel über Feminismus und über die Ungleichheit mit der über Männer und Frauen gesprochen wird." Im selben Interview erzählte sie auch, dass die Rede von Emma Watson vor den Vereinten Nationen sie sehr beeindruckt habe: "Ich wünschte ich hätte mit zwölf Jahren schon die Gelegenheit gehabt, so ein Video zu sehen, in dem meine Lieblings-Schauspielerin so treffend den Feminismus erklärt, dann hätte ich mich schon früher stolz als Feministin bezeichnet."

Viele Medien in Deutschland haben Taylor Swift erst vor wenigen Wochen richtig zur Kenntnis genommen. Über ihren Sieg im Streit mit der Musikplattform von Apple berichtete Die Zeit auf der Titelseite und die Tagesthemen interviewten die Sängerin. In einem freundlichen aber knallharten offenen Brief an Apple hatte sie darauf bestanden, dass Musiker auch dann Geld bekommen, wenn die Plattform während der dreimonatigen Probezeit kostenlos genutzt wird: "Wir bitten Sie nicht um kostenlose iPhones. Bitte verlangen Sie von uns nicht, Ihnen unsere Musik ohne Gegenleistung zur Verfügung zu stellen." Auch davon können Swifties in aller Welt lernen: Wie frau sich nicht unterkriegen lässt.

Fans auf dem Weg zum Konzert. Foto: Stadlmayer

Kommentare

  1. Kein Licht ohne Schatten: Ob nun Taylor Swift persönlich oder ihr Management dafür verantwortlich war - die Verträge mit den KonzertfotografInnen waren bis vor kurzem für die UrheberInnen ebenso nachteilig wie die von Apple mit den MusikerInnen. Swift hätte deren Fotos ohne Rückfrage weiter nutzen können. Nach Protesten und Verhandlungen sind die Verträge nun offenbar geändert und besagen, dass die Rechte bei den FotografInnen verbleiben.

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