Montag, 24. November 2014

Männerdomäne Videospiel? "Eine Erziehungsfrage"

LAN-Partys. Ein Hobby für Jungs? CC BY 2.0 Dave Allen

Gaming gehört für Julia Hiltscher zum Leben: Schon seit ihrer Kindheit spielt sie leidenschaftlich gerne Computerspiele. Ein  Hobby, das sie seit jeher hauptsächlich mit Jungs teilt. Männer, immer nur Männer, das ist auch heute noch so, als Vizedirektorin des Community Managements einer großen eSports-Firma in Köln. Die mangelnde Repräsentation von Frauen im Gaming ist für sie ein Symptom des Sexismus in der Gesellschaft, berichtete sie dem Watch-Salon. (Gaming Teil 2)

Unter den 140 Angestellten ihrer Firma gibt es nur eine Handvoll Frauen. „Eine Quote würde kaum helfen“, sagt Hiltscher: „Oft sind 100 Prozent der Bewerber auf eine Stelle männlich.“ Die mangelnde Repräsentation von Frauen liege also eher nicht daran, dass die Branche sexistisch sei – im Gegenteil, sie kennt einige sehr erfolgreiche Frauen in der Gaming-Industrie wie zum Bespiel die Spieleentwicklerin Linda Kruse, die sich nach dem Studium mit Kinderspielen selbstständig gemacht hat und die langjährige Ubisoft-Programmiererin Odile Limpach. Hiltscher meint dazu: „Eine Frau, die gut programmieren kann, hat meines Erachtens in der Branche dieselben Chancen wie ein Mann.“ Viel eher müsse man sich fragen, warum so wenige Frauen überhaupt diesen Beruf ergreifen.

Den Grund für diese Geschlechtertrennung vermutet Hiltscher in der Erziehung. Das Phänomen kennt sie aus ihrer eigenen Kindheit: Als sie mit neun ihre erste LAN-Party in der Garage ihrer Eltern organisierte, waren alle Gäste Jungs: Keine ihrer Schulfreundinnen wollte zum gemeinsamen Computerspielen kommen. Computerspiele waren offenbar „Jungsspiele“ und damit bei den meisten Mädchen verpönt.

Wenn sie später im Gymnasium ihre Freunde besuchte, fiel ihr auf, dass deren Schwestern wesentlich weniger Zeit mit dem heimischen Computer verbrachten. Auch heute sieht sie dieses Phänomen bei Kindern von Freunden: „Ich habe solche Situationen schon oft beobachtet und mich gewundert, wenn der Junge mit etwa zehn schon seit drei Jahren mit dem Computer umgeht und den Eltern nicht auffällt, dass ihre Tochter, die jetzt im selben Alter ist wie der Junge, als er damit angefangen hat, nur zugucken darf. Der technische Fundus im Haus wird weder erweitert, noch greift ein Erziehungsberechtigter ein, damit die Kinder sich das Gerät teilen. Dass der Ältere den Vorzug bekommt, wenn ein paar Jahre Altersunterschied da sind, kann natürlich auch bei zwei Jungs passieren, aber bei Mädchen kommen noch mehr Faktoren dazu, die den Zugang stören können.“

Hiltscher ist überzeugt, dass Kinder in ihren Vorlieben von den Vorgaben der Eltern geleitet werden: „Für die Jungs wird Lego Technik angeschafft und für die Mädchen Hello Kitty – das führt zu einer Rollentrennung. Die Rollenvorstellungen, die unsere Eltern uns im Kindesalter mitgeben, beeinflussen maßgeblich unseren Horizont.“

Neben ihrem Beruf schreibt Julia Hiltscher derzeit an einer Doktorarbeit über das erzieherische Potenzial von Computerspielen für die Kindererziehung. Außerdem erwartet sie eine Tochter, der sie und ihr Mann – ebenfalls Gamer und ehemaliger eSports-Reporter – die Chance geben werden, ohne Geschlechterstereotypen im Elternhaus aufwachsen zu dürfen.

In der männlich dominierten Gamer-Szene kommt es aber immer noch oft zu sexistischen Ausbrüchen, die Gamerinnen und Programmiererinnen ausschließen sollen. Warum ist das so und was kann man dagegen tun? Julia Hiltscher meint: "Trollen muss man den Wind aus den Segeln nehmen."

Wie steht es um den Sexismus in der Gamer-Szene? Warum kommt es immer wieder zu frauenfeindlichen Attacken? Mehr dazu in Teil 1 und  Teil 3 (Sexismus in der Branche) unserer Miniserie. 

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