Mittwoch, 30. Mai 2018

Strategien für vielfältigen Journalismus

von Mareice Kaiser und Christine Olderdissen


Workshopmacher*innen: Christine Olderdissen, Sami David Rauscher, Stefanie Lohaus, Mareice Kaiser

Die Journalismuspreise gingen in 2017 zum Großteil an Männer, journalistische Jahresrückblicke kamen teilweise sogar ganz ohne Frauen aus. Journalist*innen of Color werden dafür gelobt, dass sie „so gut deutsch“ können. Journalist*innen mit Behinderung, die nicht zu Inklusion schreiben, gibt es fast nicht. Studien belegen: Die meisten Journalist*innen entstammen akademischen Familien. Journalismus soll die Gesellschaft abbilden – aber wie kann vielfältiger Journalismus eigentlich funktionieren?



Keine Gerechtigkeit, zu wenig Chancen auf eine angemessene Verteilung von Bildung und Einkommen, zu viel kleingeistiges Führungspersonal in der Politikwelt – gute journalistische Arbeit ist wichtiger denn je. Aber vertreten wir Journalist*innen eigentlich die Vielfalt, die wir einfordern? Wie kann vielfältiger Journalismus funktionieren, wenn Journalist*innen fast ausschließlich akademischen Familienbackground haben? Woher sollen die guten Sozialreportagen kommen? Wie können neue Perspektiven erzählt werden, wenn nicht von den Menschen, die diese Perspektiven selbst haben? Was kann abseits von (Frauen-, Migrant*innen-, Behinderten-)Quoten für eine diversere Förderung von Talenten getan werden? Wie geht gendersensibler Journalismus? Wer erzählt Geschichten und wer sind die Protagonist*innen? Wo und wie können wir alle anfangen (oder weitermachen), mit Blick auf Vielfalt journalistisch gut zu arbeiten?


Workshop-Session bei der re:publica 18


Antworten auf diese Frage haben wir in unserem Workshop "Strategien für vielfältigen Journalismus" bei der re:publica 2018 gefunden. Eine Stunde lang gemeinsam mit über 70 Teilnehmenden und mit Stefanie Lohaus vom Missy Magazine, Sami Rauscher von den Neuen deutschen Medienmachern und uns beiden - Mareice Kaiser und Christine Olderdissen - für den Journalistinnenbund und den Watch-Salon. Nach einem Input arbeiteten wir in vier Gruppen zu den Themen: Vereinbarkeit, Mentoring, Coaching für Betroffene von Hate Speech, Quotierungen, Vielfalts-Check in Redaktionen, Gendersensible Sprache, Vielfältige Expert*innen, Fortbildungen für Diversität.




Während vor einigen Wochen alle Medien mit dem Finger auf das männliche "Heimatministerium" schauten, kritisierte taz-redakteurin Anne Fromm, dass viel zu oft "Der Blick ins eigene Haus fehlt": "Journalismus ist auch 2018 noch immer Männersache". "Wenn verschiedene Leute auf die Dinge schauen, dann sehen sie mehr" – appellierte Barbara Hans, Chefredakteurin SPIEGEL ONLINE für redaktionelle Vielfalt in "Warum Redaktionen mehr Vielfalt brauchen".

Die Erkenntnisse und Wege zu vielfältigem Journalismus fassen wir an dieser Stelle zusammen. Einen Audio-Mitschnitt der rp18-Session wird es bald geben. Bis dahin haben wir schon mal Links zu den wichtigsten Leitfäden und Handreichungen zusammengestellt. Damit es keine Ausreden mehr gibt, warum Journalismus nicht vielfältig gemacht wird.





Geschlechtergerechte Sprache im Journalistinnenbund


Der Journalistinnenbund hat Ende 2017 eine Vorabrecherche zur Gestaltung einer Online-Plattform für gendersensiblen Journalismus und gendergerechte Medienarbeit durchgeführt. Das Projekt wurde gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die Zusammenfassung ist auf der Website des jb veröffentlicht.

Beim jb Visionale 2025 - Zukunfts-Camp Journalistinnenbund wird das Rechercheteam das Projekt vorstellen. Anmeldungen zum Camp auf der Website.


Teilnehmende der rp18-Session "Strategien für vielfältigen Journalismus"

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