Mittwoch, 24. Oktober 2018

Quoten für die Chancengleichheit: Medienfrauen fordern Taten statt Worte

von Angelika Knop

"30% auf allen Podien!" Sissi Pitzer bei #mediawomen18 auf den Medientagen München  / Foto: Angelika Knop
Der Fortschritt ist eine Schildkröte - und manchmal macht die Halt beim Salatblatt. So auch bei den Medientagen München 2018, die heute begonnen haben. Der Frauenanteil auf den Podien stagniert ungefähr auf dem Niveau von 2016 - bei 26,7 Prozent. So hat es Sissi Pitzer ausgezählt, Gründerin des Netzwerkes Media Women Connect (MWC), das 2014 gegründet wurde, um mehr Speakerinnen, Diskussionsteilnehmerinnen und Moderatorinnen auf den Bühnen einzufordern. Nun reicht es den acht Frauenverbänden, die sich da zusammengeschlossen haben. Sie wollen nicht länger nur eine eigene Bühne und eine wohlwollende Haltung, sondern eine Selbstverpflichtung der Veranstalter.



Das Motto "Engage! Shaping Media Tech Society" sollen die Medientage ernst nehmen und auch ihr Programm so divers gestalten, wie es die Gesellschaft ist. "26,7 Prozent sind beschämend. Insbesondere die Zukunftsthemen Künstliche Intelligenz und Blockchain sind nahezu frauenfrei besetzt", moniert die BR-Journalistin Sissi Pitzer. Media Women Connect zeigt, dass es auch anders geht: Die Münchner TU-Professorin Isabell M. Welpe sprach am Nachmittag des Eröffnungstages auf der MWC-Bühne über "Künstliche Intelligenz: Von Disruption, Digitalisierung und Diversität".

Wenn Künstliche Intelligenz zunehmend unser Leben beeinflusst, sollte doch die Hälfte der natürlichen Intelligenz (oder vielleicht auch etwas mehr) bei den Diskussionen dazu vertreten sein - so denken die Medienfrauen. Sie fordern deshalb neben einer modernen, chancengleichen und vielfältigen Medienwelt auch eine verbindliche Quote von mindestens 30 Prozent Frauen bei den Medientagen 2019. Bis 2021 sollen die Hälfte der Köpfe, die im Programm auftauchen, Frauen gehören. Und die Veranstalter sollen das in Zukunft selber zählen und berichten.

Inspiriert wurden Media Women Connect (MWC) dabei von ähnlichen Bewegungen in der weltweiten Kommunikations- und Unterhaltungsindustrie.  "50/50 by 2020" lautet zum Beispiel das Schlagwort von Cannes bis Hollywood. Spätestens #MeToo hat gezeigt, was passieren kann, wenn eine Hälfte der Menschheit die Machtstrukturen ganzer Branchen besetzt.


Das Manifest von Media Women Connect im Wortlaut:


Chancengleichheit bei Gestaltung und Verantwortung


In einer Welt, in der künstliche Intelligenz und Algorithmen eine immer größere Rolle im Leben der Menschen spielen, sind divers zusammengesetzte Teams notwendig, in denen Frauen gleichberechtigt mitgestalten. Sie müssen ihre Perspektiven und Erfahrungen einbringen, ihre Anforderungen formulieren und Entscheidungen treffen, damit gesellschaftliche Entwicklungen gemeinsam vorangebracht werden. Denn jetzt werden die Weichen in die Zukunft gestellt.

Wir fordern eine gleichberechtigte Teilhabe für Frauen auf allen Ebenen in der sich digitalisierenden Welt.



Chancengleichheit bei Medieninhalten


Medien haben eine besondere Verantwortung für die Chancengleichheit von Männern und Frauen. Berichterstattung und Unterhaltung in Bild, Text, Ton, Video vermitteln Rollenbilder und beeinflussen die Wahrnehmung, die Erwartungen und das Verhalten der NutzerInnen. Daher muss das Verhältnis von Frauen und Männern in der Berichterstattung ebenso wie in fiktionalen Formaten ausgewogen sein. Nur wenn Frauen in vielfältigen Rollen ausreichend zu Wort kommen und handeln, bildet das die Realität ab.

Wir fordern eine ausgewogene Darstellung von Frauen und Männern in den Medien.



Chancengleichheit auf Podien


Die Medientage und alle daran beteiligten Partner haben als MultiplikatorInnen eine Vorbildfunktion. Sie haben die Möglichkeit, auf Programme und Formate Einfluss zu nehmen und auf eine diverse Auswahl der Vortragenden zu achten. Wenn Podien über die Gegenwart und Zukunft von Medien und digitaler Gesellschaft diskutieren, müssen Frauen dabei gleichberechtigt zu Wort kommen – nicht nur als Moderatorinnen.

Wir fordern eine Selbstverpflichtung zu mindestens 30% Frauen im Programm der MTM für 2019. Innerhalb von drei Jahren, also bis 2021, ist eine Quote von 50% anzustreben. Die Medientage München erheben den Frauenanteil im Programm und berichten jährlich zu den MTM über die erzielten Fortschritte.

***
(Der Journalistinnenbund ist Teil des Netzwerkes Media Women Connect. Angelika Knop engagiert sich dort seit seiner Gründung und war auch diesmal mit auf dem Podium.)

Weitere Artikel zum Thema im Watch-Salon:

Medientage 2016: Lichtblicke und Schwarze Schafe
Medientage 2015: Frauenquote Fehlanzeige
Media Women Connect rockt die Medientage
Vielseitig statt eintönig: jb-Medienlabor
Strategien für vielfältigen Journalismus

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