Dienstag, 29. Januar 2019

"Rafiki": Schreien, wo andere zum Schweigen gebracht wurden. Ein Film über die Liebe zwischen zwei Kenianerinnen


Ziki und Kena sind jung, frech und cool - aber in Nairobi gilt ihre Liebe als Verbrechen. / Foto: Salzgeber & Co. Medien
"Rafiki" nimmt uns mit auf eine Achterbahn der Gefühle. Er zeigt zunächst bunt und fröhlich das  unbekümmerte Leben der beiden schönen Hauptfiguren - untermalt von cooler Musik. Doch im zweiten Teil, in dem die beiden Frauen versuchen, ihre Liebe in der homophoben kenianischen Gesellschaft zu leben, macht er traurig und wütend. Am Schluss dominiert die Hoffnung.


"Rafiki" bedeutet auf Swahili "Freund" oder "Freundin". Es ist die Liebesgeschichte zwischen zwei sehr unterschiedlichen jungen Frauen. Kena (Samantha Mugatsia)  ist ruhig, klug und unangepasst. Ziki (Sheila Munyiva) ist fröhlich, wild und sorglos. Die beiden schwören sich, "dass wir nie so werden wie all die anderen". Sie sind die Töchter rivalisierender Politiker, ihre Familien und die Gesellschaft akzeptieren ihre Freundschaft nicht. Als herauskommt, dass die beiden sich lieben, schlägt die Ablehnung in Hass um.

Es ist ein großes Vergnügen, den beiden Frauen zu zuschauen, wie sie sich allen Normen widersetzen und sich immer näher kommen. Ihr erster Kuss könnte als einer der romantischsten in die Filmgeschichte eingehen. Umso trauriger ist es, dass ihre Beziehung schon bald von Missgunst und  Hass der anderen begleitet ist.

Rafiki (Trailer) from Salzgeber & Co. Medien GmbH on Vimeo.

"Rafiki" ist ein feministischer Film, der die kenianische Männergesellschaft ebenso kritisiert wie die Frauen, die diese stützen. So wie Kenas Mutter, die sich für ihre Tochter einen Mann wünscht, anstatt sie dabei zu unterstützen, Ärztin zu werden. Oder die lokale Kioskbesitzerin, die die Liebe der beiden jungen Frauen verrät und sie damit dem Hass und der Gewalt der Männer aussetzt.

Der Film wurde im vergangenen Mai als kenianischer Beitrag auf dem Filmfestival in Cannes gezeigt. Zuvor war er in Kenia verboten worden. Die Begründung: Er versuche die in Kenia verbotene Homosexualität "zu legitimieren". Nach weltweiten Protesten wurde das Verbot für sieben Tage aufgehoben. Nur so konnte der Film auf dem Wettbewerb in Cannes gezeigt werden, denn die Regeln schreiben vor, dass teilnehmende Filme mindestens sieben Tage lang im eigenen Land gelaufen sein müssen.

Afro-Bubblegum soll Afrika auf hoffnungsvolle und vergnügliche Art darstellen

 

Regisseurin des Films ist die 38-jährige Kenianerin Wanuri Kahiu. Eine von ihr mitbegründete Firma, in der Musiker*innen, Designer*innen und Regisseur*innen zusammenarbeiten, heißt Afro-Bubblegum. Inzwischen ist daraus ein Genre geworden, zu dem auch der Film Rafiki gehört. "Afro-Bubblegum soll Afrika auf hoffnungsvolle, vergnügliche Art darstellen", sagte Kahiu in Cannes. Die Historikerin Pamela Ohene-Nyako ergänzte, dank Afro-Bubblegum sei inzwischen klar: "Man muss nicht mehr blonde Haare und blaue Augen haben, um fröhlich zu sein."

Die beiden Hauptdarstellerinnen sind Kenianerinnen. Für Semantha Mugatsia ist es ihr Debüt als Schauspielerin. Sie ist Musikerin, bildende Künstlerin und DJ. Sheila Munyiva ist Schauspielerin und Regisseurin. Für die beiden Künstlerinnen war es ein Wagnis, in dem Film als lesbisches Paar aufzutreten. Sie setzten sich im homophoben Ostafrika vielen Anfeindungen aus. Regisseurin Kahiu sagte dazu: "In den fünf Jahren, in denen wir den Film entwickelt haben, haben wir leider eine besorgniserregende Entwicklung im Bereich des Anti-LGTB-Klimas in Ostafrika erlebt. Ich hoffe, dass unser Film als eine Ode an die Liebe verstanden wird, deren Verlauf nie leichtgängig ist, und als eine Botschaft der Liebe und Unterstützung an all jene, die sich zwischen Liebe und Sicherheit entscheiden müssen. Dieser Film soll dort schreien, wo andere Stimmen zum Schweigen gebracht worden sind."

"Rafiki" kommt am 31. Januar in die Kinos. Zum Glück wurde er nicht synchronisiert, sondern ist mit deutschen Untertiteln zu sehen. Er basiert auf der Kurzgeschichte "Jambula Tree" der ugandischen Autorin Monica Arac de Nyeko.

Seit dem 24. Januar läuft der ebenfalls sehr sehenswerte Film "The Favourite – Intrigen und Irrsinn". Auch hier geht es um starke, schöne Frauen und um lesbisches Begehren. Der Kostümfilm über die Beziehungen der britischen Königin Anne (Olivia Colman) zu ihren Hofdamen (Rachel Weisz und Emma Stone) basiert auf wahren Begebenheiten und ist für zehn Oscars nominiert. Hier ein Artikel dazu aus dem Bezahl-Angebot von The Times.

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