Montag, 30. November 2009

Die neue Familienministerin

"Proporz statt Kompetenz" titelt Spiegel-Online. Was meint ihr zu Kristina Köhler, der neuen Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend?

Sonntag, 29. November 2009

Videocamp - Wo bleiben die Camperinnen?




Kongresse sind wie der Frühling - erst freudig erwartet und dann machen sie oft nur müde. Und damit das nicht so auffällt, finden sie vermutlich gerne an grauen Novembertagen statt. Schön, wenn da mal Abwechslung ins Spiel kommt. An diesem Wochenende gab es die beim Videocamp in Essen. Mehr als 120 aktive oder potentielle Videomacher trafen sich im Unperfekthaus, um sich auszutauschen und miteinander zu diskutieren. Solche Barcamps sind "Unkonferenzen", bei denen man oder frau eben nicht "bar" sondern mit Engagement zahlt: mit eigenen Vorträgen oder auch dem Dienst am Empfang.

Donnerstag, 26. November 2009

E-Mail-Apnoe

In der Dezemberausgabe der Zeitschrift Harvard Business Manager (eine erweiterte deutsche Ausgabe der Harvard Business Review) gibt es auf Seite 99 bis 108 einen umfangreichen Beitrag mit dem Titel "Das Recht auf Ruhe".
Beschrieben wird der alltägliche Stress von Mitarbeitern, die sich mit E-Mails, Newslettern etc. überfordert fühlen. Experten behaupten, der Stress oder die gesellschaftliche Erwartung, jede E-Mail sofort beantworten zu müssen, könne unsere Leistungsfähigkeit herabsetzen und uns demoralisieren. Die Wissenschaftlerin Linda Stone, die den Begriff der Continuous Partial Attention, (CPA), also einer "ständig geteilten Aufmerksamkeit" prägte, beobachtete eine Art "E-Mail-Apnoe". Quasi ein unbewusstes Aussetzen der stetigen Atmung der Leute, die ihre E-Mails bearbeiten. Vielleicht sollte man manchmal, insbesondere im Freundeskreis, lieber zum Telefon greifen um zu kommunizieren.

Mittwoch, 25. November 2009

Innovative Nonnen (2)

von Judith Rauch

Was lese ich da im aktuellen SOLWODI-Rundbrief? Audi hat Sr. Lea Ackermann einen Dienstwagen zur Verfügung gestellt:



Wer Lea nicht kennt: Sie ist die Gründerin von SOLWODI (Solidarity with Women in Distress), einer höchst erfolgreichen Hilfsorganisation für Frauen. Sie unterstützt vor allem Opfer von Frauenhandel und sexueller Gewalt. Außerdem ist Lea gelernte Bankkauffrau, promovierte Pädagogin und überzeugte Ordensschwester. Letzteres hat sie noch nie gehindert, ein höchst zeitgemäßes und emanzipiertes Leben zu führen.

Die gute Tat der Autofirma trifft also die Richtige. Glückwunsch, Schwester Lea, und allzeit gute Fahrt!

Dienstag, 24. November 2009

Die aktuelle Quote

94,4% der C4/W3-Professuren in den Naturwissenschaften sind in Deutschland aktuell mit Männern besetzt. Bei den Ingenieurswissenschaften sind es 96,2%, in der Medizin 94,2%, in den Agrarwissenschaften 91,1%, in den Sozialwissenschaften 92% und in den Geisteswissenschaften 83,7%. Im europäischen Vergleich nimmt Deutschland damit eine Spitzenposition ein, wenn es um die Bevorzugung von Männern in der Wissenschaft geht, dies berichtet die duz (unabhängige deutsche Universitätszeitung) in dieser Woche. Die Quote ist in Deutschland eben eine Männerquote.

Schwätzen, Zwitschern, Balzen - Twittern bei Konferenzen


"Sehe ich das recht oder sitzen da nur Männer auf dem Podium?", fragt meine Sitznachbarin mich halblaut bei der "Besser-Online". (Über die DJV-Konferenz berichtete der  Watch-Salon.) Kurze Zeit später steht eine ähnliche Bemerkung dann auch schon an der Wand, der Twitterwall. Wunderbar, endlich sieht mal jeder, was sonst nur in den Reihen geraunt wird! Alles was mit dem Hashtag (Twitterslang für so eine Art Kennzeichen/Kürzel) #djv_bo über den Kongress micro-gebloggt wird, erscheint via Beamer in allen Konferenzräumen.

Der Beginn einer neuen Diskussionskultur? Kein peinliches Schweigen mehr, wenn Fragen aus dem Publikum angesagt sind. In 140 Zeichen können sich auch Stotterer, Errötende und Quiekstimmen ans virtuelle Mikrofon trauen. Komisch nur, dass dann einer am liebsten aus dem Saal gehen möchte, als er vom Podium herab auf seinen Tweet angesprochen wird. Und auch der Moderator der Eröffnungsdiskussion gehört wohl nicht zu den Early-Adapters:
"Hier fände ich es nett, wenn Sie sich verbal melden. Ich will mir nicht den Hals verrenken."
Frau ist da schlauer. Die Moderatorin der Abschlussrunde schaut in ihr Netbook statt auf die Wand hinter sich. Und bittet dann zur Saal-Abstimmung (Melden geht doch schneller tippen!) darüber, ob es problematisch ist, wenn Diskutanten auf dem Podium twittern - und dabei nicht immer ihren Kollegen zuhören. Ergebnis: 50:50. Und dabei hatte Michaela Skott nur einen Zwitscherer in der Runde. Woanders waren sie da schon weiter, wie matthiasdan twittert:
"Von 4 Diskutanten auf Twitter-Podium hat nur Frank Schmiechen @weltkompakt nicht gleichzeitig getwittert. Höflich oder Akku leer?"
Und zwei Tage danach tobt die Debatte um eine Twitterquette bei Konferenzen erst so richtig im Netz. "Twigge" (nach dem guten alten Knigge) wäre ja übrigens kürzer und damit twitterabler - aber das nur nebenbei. Immerhin: Gutes Benehmen bewies die Podiumsteilnehmerin, die ihre Verspätung per Twitter entschuldigte.

Abgesehen von der Debatte um den Mythos Multitasking, was bringt es den Teilnehmern? Vor allem Ablenkung und Unterhaltung. Da erfährt man, was im Nebenraum passierte, wer sich gleich mit wem treffen will, dass das Netbook-Design der Moderatorin ja "gar nicht geht", wie lange der Bus vom Lerchenberg zum Bahnhof braucht und Fußball-Ergebnisse. Kurzum: alles, was man sich früher auf Zettelchen unter der Bank zugeschoben oder auch mal in die Klasse gerufen hat. Womit wir wieder bei der guten alten kommunikationswissenschaftlichen Erkenntnis sind: Techniken ändern sich, Inhalte bleiben. Und wenn das WLAN ausfällt, schmeißen wir halt wieder Papierkügelchen.

Montag, 23. November 2009

Depressive Männer werden oft aggressiv


Foto: flickr
Depressionen machen sich bei Männern anders als bei Frauen bemerkbar. Diplom-Psychologe Frank Meiners:
"Wutausbrüche, Kamikaze-Manöver mit dem Auto oder aggressives Verhalten sind die Symptome, die häufig bei Männern auftreten, aber eben nicht als Folgen einer Depression erfasst werden".

Das schreibt die Hessisch Niedersächsische Allgemeine (HNA) in ihrem Artikel "Kranke Helden im täglichen Stress". Demnach reagieren Frauen eher niedergeschlagen und verzweifelt. Sie suchen auch eher professionelle Hilfe. Hier macht sich meines Erachtens wieder das Männlichkeitsideal der Stärke bemerkbar. Gefühle von Aggressionen sind erlaubt, weil sie damit assoziiert sind. Hilfebedürftigkeit wird hingegen als Schwäche ausgelegt, weswegen sich Männer auch im Depressionsfall oft keine Hilfe holen. Kein Wunder also, dass die Dunkelziffer unerkannter Depressionen bei Männern hoch ist (siehe Artikel). Frauen dagegen, das vermeintlich schwache Geschlecht, beweisen viel häufiger die Stärke, sich Unterstützung zu holen. Denn Stärke ist es, mit den Schwächen umgehen zu können.