
Amman: Ich kann mich sicher in der Stadt und überall auf dem Land bewegen, kann jederzeit mit dem Taxi (= öffentlicher Nahverkehr) in die verschiedenen Stadtteile fahren, ich habe nicht einmal Angst um meine Tasche. Die Kriminalitätsrate ist niedriger als in vielen westlichen Städten. Für muslimische Frauen gibt es diese Sicherheit allerdings nicht.
Innerhalb der ersten 20 Tage des neuen Jahres brachten in Amman zwei Brüder ihre jüngeren Schwestern im Namen der „Familienehre“ um. Gleichzeitig wurde eine Frau, die ihren gewalttätigen Ehemann umbrachte. zum Tode verurteilt (Quelle: Jordan Times).
Ein 17jähriger hatte von Freunden gehört, dass ein Mann seiner 13jährigen Schwester einen Zettel mit seiner Telefon-Nummer zugesteckt hatte. Das Mädchen hatte gerade selbst seiner Mutter darüber berichtet, als der Bruder ins Haus stürmte, auf dem Kopf der Schwester herumtrampelte und sie mit 30 Messerstichen tötete. Der Polizei war wichtig, ob er wohl „gute Gründe“ hatte und ordnete die körperliche Untersuchung des toten Mädchens auf „Jungfräulichkeit“ an. „Das Opfer war bisher nicht sexuell aktiv“, hieß das Ergebnis.
Der nächste Bruder tötete seine 21jährige Schwester mit drei Schüssen in Kopf und Brust, nachdem die sich von ihrem Mann getrennt hatte und der sich bei ihrer alten Familie über ihren „schlechten Ruf“ beschwert hatte. „Meine Schwester war ohne mein Wissen ausgegangen“, begründete der Bruder gegenüber der Polizei seine Tat.
Etwa 20 Frauen werden in Jordanien pro Jahr aus ähnlichen Gründen umgebracht. Vertrauen deren Mörder auf bisherige Urteile zu der unsäglichen Familienehre, so können sie ihre Prozesse beruhigt abwarten. In den meisten Fällen kommen die Täter mit ein paar Monaten Haft davon. Wichtig ist, dass sie ganz schnell morden, denn „wer innerhalb so kurzer Zeit tötet, kann ja nicht mit Vorsatz getötet haben“, sagen dann die Richter.
Frauen erhalten die Todesstrafe
Eine 25jährige Frau und Mutter zweier Kinder, die mit 15 Jahren mit einem fünf Jahre älteren Mann verheiratet worden war, konnte damit nicht punkten. Nachdem ihr Mann sie zehn Jahre lang körperlich und seelisch missbraucht hatte, wie sie angab, vergiftete sie ihn mit Pflanzengift, versuchte ihn anzuzünden, zerteilte seine Gliedmaßen und versteckte sie in einer Tonne. Was muss alles passiert sein, bevor jemand so wütet?
Die Richter interessierte das wenig. Sie verurteilten die Familie der Frau zur Zahlung eines Opfergelds von 55.000 Dinar und fällten über sie selbst das Todesurteil. Innerhalb der nächsten vier Wochen kann die Verteidigung Widerspruch einlegen.
Das zumindest in Jordanien ausführlich über diese Praxis berichtet wird, liegt neben dem ausdrücklichen Wunsch des Königshauses, dieses himmelschreiende Unrecht zu beenden, sehr an der Journalistin
Rana Husseini. Die Arbeit als Polizei-Reporterin bei der Jordan Times machte sie zur Feministin. Was andere Frauen von diesen „Ehrenmorden“ in muslimischen Kulturen und ihrer Deckung durch die Justiz halten, lässt sich
hier nachlesen.